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Baum als Ort der Ruhe und der Kraft
Ariane Rünzi und Ruedi Haas bieten ein Stück Wald als Kraftort, aber auch als Ruhestätte an Ennetbühl. Nicht jedem ist es möglich, sich ein Stück Wald zu kaufen, um die Stille und die Natur zu geniessen. Mit dem Projekt «Lebensbaum» können Bäume im Wald von Ruedi Haas gepachtet werden. Als Ort der Stille und auf Wunsch der ewigen Ruhe. SABINE SCHMID Wald ist nicht nur ein wichtiger Holzlieferant, der Wald dient auch zahlreichen Menschen als Ort, um Erholung zu suchen und Kraft zu tanken. Dass es nicht jedem Mensch möglich ist, ein eigenes Stück Wald zu besitzen, dessen sind sich Ariane Rünzi und Ruedi Haas aus Ennetbühl bewusst. Sie stellen daher einen Teil ihres Waldes für das von ihnen gegründete Projekt «Lebensbaum» zur Verfügung. Wirtschaftliche Waldpflege Ariane Rünzi und Ruedi Haas, die zusammen mit Kurt Rünzi die Bergwald GmbH gegründet haben, bieten interessierten Personen einen persönlichen Ort der Stille und der Kraft zur Verfügung. «Der Kunde kann mit mir zusammen in den Wald gehen und den Baum aussuchen, der ihm am besten gefällt», erklärt Ruedi Haas das Vorgehen. Der Baum wird diesen Menschen auf 20 Jahre verpachtet. Während dieser Zeit kann der «Pächter» diesen Ort nach Bedürfnis besuchen. Der Landwirt aus Ennetbühl verpflichtet sich seinerseits, den Baum naturnah zu pflegen. Er will aus dem Projekt «Lebensbaum» nicht in erster Linie Profit schlagen, sondern sieht dies als eine Möglichkeit, seine Waldparzellen wirtschaftlich zu pflegen. «Wir haben uns entschlossen, für jeden verkauften Lebensbaum einen jungen Baum in einem Schutzwald in der Region Ostschweiz zu setzen», sagt Ruedi Haas. In erster Linie ist der Ennetbühler darauf bedacht, den Interessenten junge Bäume anzubieten. Bäume, die während der nächsten Jahre sicher stehen bleiben werden. Alternative zum Friedhof Für die Initianten des Projekts «Lebensbaum» ist es darum kein Hindernis, dass man auch über den Tod hinaus mit seinem Lebensbaum verbunden ist. «Einen Baum zu pachten ist durchaus eine Alternative zu einem Friedhof», sagt Ruedi Haas. Die von Kanton und Gemeinde erteilte Bewilligung erlaubt, dass Aschenbeisetzungen im Wald von Ruedi Haas möglich sind. Als einzige Einschränkung gilt, dass weder Grabschmuck noch Blumen oder ein Grabstein oder ähnliches aufgestellt werden dürfen. Lediglich Schmuckstücke aus naturbelassenem Holz dürfen an der Grabstätte angebracht werden. Dies, betont Ruedi Haas, gelte aber auch bei anderen Waldfriedhöfen im Kanton St. Gallen. Ob die Bestattung von einer Abschiedsfeier begleitet werde, stehe jedem frei, so Ruedi Haas weiter.Innovative Initiative Bis die Bergwald GmbH ihre Idee umsetzen konnte, brauchte sie die Bewilligung von Gemeinde und Kanton. Er sei auf offene Ohren gestossen, blickt Ruedi Haas zurück. Stolz ist er auf das Lob des Kantonsforstamtes, welches das Projekt als «innovative Initiative zur Inwertsetzung des Waldes, welches aus forstlicher Sicht zu begrüssen ist», ansieht. Dass er mit seinem Projekt Erfolg haben könnte, zeigt auch das Interesse aus dem In- und Ausland. Ariane Rünzi und Ruedi Haas sind überzeugt, dass zahlreiche Menschen eine Alternative zu einem Grab auf einem Friedhof suchen. «Doch», sagt Ruedi Haas, «aus Gesprächen mit vielen Leuten habe ich gemerkt, dass man sich kaum mit seinem Tod und seiner Bestattung befasst.» Bisher hat die Bergwald GmbH nur in der Gemeinde Nesslau-Krummenau eine Bewilligung für eine Waldparzelle ersucht. Insgesamt kann sich Ruedi Haas aber vorstellen, auf zehn seiner Waldparzellen zwischen Wattwil und der Schwägalp Lebensbäume zu verpachten. Aus dem ST.GALLER TAGBLATT vom 8. März 2007 |